Morgens und Abends das gleiche Schauspiel, Stossstange an Stossstange stehen die Blechbüchsen im Stau. Köln hat ein Weltkulturerbe, den Kölner Dom. Die Anreihung von Autos und manchmal auch Zweirädern ist eher etwas für das Guinness Buch der Rekorde. Die Stadt Köln scheint es nicht gross zu interessieren, das gleiche Schauspiel auch in Frankfurt/Main und in anderen grossen Städten in Deutschland.

Sie würden niemals die Goldenen Kühe aus der Innenstadt verbannen. Einnahmen bleiben aus und das ist es was zählt. Sch… auf die Umwelt und die Menschen. Unternehmen in Büros und viele Dienstleister haben alle das gleiche Imageproblem. Steht ein anderer Ort als Köln, Frankfurt/Main, Berlin, Hamburg, München, Mailand, Paris, Moskau, New York, Seattle, Dallas, London usw. auf der Adresse, dann gibt es Abzüge in der Aussenwirkung.

Fragt man die Arbeiter und Angestellten die in der Innenstadt wohnen, dann haben sie sich noch nie darüber Gedanken gemacht, warum sie sich auf den Weg zu diesem speziellen Standort machen. Nicht anders ist es bei denen, die im Umland wohnen. Wer hat diesen Ort gewählt, was war ausschlaggebend hier erfolgreich werden zu wollen? Die Umwelt war es nicht. Sie wäre der grosse Gewinner, wenn der nächste Bundeskanzler in Machtwort spricht und Gewerbeflächen, die ausserhalb liegen einfach eingemeindet. Problem: Das Umland profitiert vom jeweiligen Bekanntheitsgrad einer Metropole und stellt sich trotzdem bockig auf die Hinterbeine. Sie würden sich schämen, wenn sie wüssten was das ist.

Bürgermeister sind unterwürfiger als der Bundespräsident

Dieses peinlich, kindische Gehabe erleben wir seit langem mit Berlin und Brandenburg. Das Land Brandenburg profitiert auf ganzer Linie und schafft es nicht einmal die Misere mit den Taxen am Hauptstadtflughafen in den Griff zu bekommen. Berlin ist weltbekannt, Brandenburg möglicherweise nie. Hätte man alles im Umkreis von 70 km eingemeindet, wären uns viele Kosten erspart geblieben und Brandenburg wäre im wahrsten Sinne des Wortes erblüht. Alle Bürgermeister dieser Stadt sind ängstlich und unterwerfen sich allem, was von oben vorgegeben wird. Man möchte ja beim grossen Gast, die Regierung wird niemals komplett nach Berlin umziehen, nicht in Ungnade fallen.

Bonn wird immer Regierungssitz bleiben. Die Bundesbürger können und wollen sich nicht mit dem Nonsens identifizieren, der in Berlin stattfindet. Diese möchtegern-Hauptstadt ist kein Abbild von einem neutralen Deutschland: Berlin ist im Gedanken und im Herzen immer gegen alles, anstatt seiner Aufgabe gerecht zu werden und neutral zu handeln. Völlig Kompetenz befreite Selbstdarsteller erheben das Wort, der entrechteten Masse wurde die Stimme verboten.

Freiheit im Einklang mit dem Stau

Den Stau sehen manche als ein vorübergehenden Zustand an. Radiosender hingegen machen sich eher ein Spass daraus, wessen Stau der prominenteste und natürlich auch der Älteste ist, jedoch ist er allen heilig! Momente der Ruhe und Entspannung zelebrieren sie nur hier, in ihrem eigenen, ganz persönlichen Wellness-Stau. Hörbücher, Nachrichtensendungen, Klassik oder Pop, Telefonieren, möglicherweise ein Sprachkurs im Mandarin oder einfach gar nichts machen. „Nada“ ist das neue Wohlfühlwort als komplexe Antwort auf die Frage was man so mit sich anfängt.

Noch zweimal Links und dann geradeaus, endlich beginnt die schönste Zeit des Tages: Stau! Leider ist schon bald alles wieder vorbei. Ein Blick nach Links, ein Blick nach Rechts. Immer wieder die selben Gesichter und ein freundliches: „Guten Morgen“, die auslaufsichere Metalltasse angehoben. Was kann es schöneres geben, einige der Glücklichen sind bereits in Rente und fahren gelegentlich einfach so mit. Automatik und Sprachsteuerung kreuzt der aktive Stauer wie selbstverständlich beim Neuwagenkauf mit an.

Selbsttest und kein zurück

Freitag mal einen halben Tag Urlaub machen und um 7 Uhr rein in die Blechlawine! Ein lustiger Selbsttest inmitten zufriedener Gesichter wie in einer Kleingartenkolonie. Es wird gewunken, geflirtet, zugeprostet, mitgefühlt und wiedererkannt! Steif sind nur die Fahrgemeinschaften, man könnte sagen Leidensgefährten mit dem gleichen Problem. Den Playboy in der Aktentasche und pseudo-interessiert mit dem Sitznachbarn über die Documenta am fachsimpeln. Ok. Man spart sich einiges zusammen, kann sich aber nicht den neidischen Blick verkneifen, wenn ein Einzelner im Nachbarauto sitzt. Allein zu sein ist die höchste Stufe der Stauliebe, darunter rangiert das Duo der besten Freundinnen, gleich danach die besten Freunde, jedoch nur wenn Mann und Frau gemischt der Stauliebe frönen.

Daraus sind schon Ehen entstanden, sicherlich aber mehr Scheidungen.

Com-Tesla liebte ihren Baron Colonia so sehr, dass sie sich mit vielen intelligenten Hofbaumeistern zusammen tat. Schon immer fragten sich die Untertanen: Wann entwickelt die Autoindustrie ein Fortbewegungsmittel für maximal eine Person mit vielen optimalen Features? Erfrischende Unterhaltung, beleuchtete Kosmetikspiegel mit persönlicher Live-Beratung, ein Kühlschrank für Macarons natürlich mit Eiswürfelfach, ein grosser Warmhalteofen für die veganen Croissants, Espressomaschine, Salz und Pfefferstreuer und 10 paar schicke Schuhe zum anprobieren. Nicht fehlen dürfen die Bierflaschenkühler mit der Nachfülltaste, Alkoholfreies Bier und Originales, die obligatorische Play-Station, diverse Sneakerboxen, Chips und Flips, faire Cola und einen Grill zum einhängen in den Türrahmen.

Planung könnte das Kulturgut Stau für immer vernichten

Kämpfen für das Kulturgut! Stop’n Go als Tattoo und T-Shirts mit der ewig gelben Ampel sind auf den Pro-Stau Demonstrationen gern gesehen. „Keine Macht kann uns trennen“ rufen sie und zeigen ihren Frust über die geplante Erweiterung der Haupteinfallstrasse um eine weitere Spur. Nicht mit uns. Keiner wird sie schneller werden lassen, ansonsten haben wir nur Stress beim allmorgendlichen Hetzen. „Da machen wir nicht mit“, das letzte was sie vor und nach der Arbeit brauchten war eine reibungslose Fahrt ohne Stillstand. Wer es nicht erlebt hat, wird nie verstehen, wie wichtig diese Minuten der Ruhe und Entschleunigung sind.

Los Angeles kann von Blechlawinen ein Lied singen, diese Mega-City wird regelrecht geflutet. Die Stadtplaner müssen ziemlich bekifft gewesen sein, oder Anteile an einer Firma für Strassenasphalt gehabt haben. Alles ist in die Fläche gewachsen um eine verhältnismässig kleine Innenstadt, öffentliche Verkehrsmittel kann man nur in einer Fata Morgana entdecken. Die Menschen haben sich längst an diese Situation gewöhnt und machen hin und wieder Bemerkungen über die Dauer im Stau. Tesla hat das Problem erkannt, sicherlich auch einige andere Hersteller weit vorher, sie spendierten ihren Fahrzeugen ein funktionierendes Feature: Autonomes Fahren!

Com-Tesla Elon Musk hat verstanden

Youtube zählt mittlerweile mehrere Videos von schlafenden Fahrzeugführern hinter dem Steuer eines fahrenden Tesla. Das Unternehmen hingegen beteuert, dass es nicht möglich ist, die Hände über einen längeren Zeitraum vom Lenkrad zu nehmen. Neuere Modell, auch von anderen Herstellern, verfügen schon seit geraumer Zeit über einen Müdigkeitswarner (Aufmerksamkeits-Assistent). Die Lenkbewegungen werden analysiert, ruckartige Korrekturen werden erkannt und ein Alarm ertönt. Anders ist es in Deutschland, im Stau wollen sie wach sein und die Zeit geniessen.

Autonomes Fahren kann in Deutschland auch funktionieren, dachten sich die wohlhabenden Stauliebhaber. Relaxt schweben sie dahin, losgelöst von Entscheidungen über Abstand und nächster Ausfahrt haben sie das Ziel in der Navigation eingespeichert. Neid untereinander kennen sie nicht, ob BMW, Mazda, Smart oder Tesla. Alleinfahrer sind eine grosse Familie, morgens und Nachmittags erleben sie eine Wiedergeburt. Die Nabelschnur trennt sich beim Verlassen der sicheren Höhle, geschützt vor Lärm, mehrfach beantwortete Fragen von Vorgesetzten, vollen Windeln und übervollen Schreibtischen. Com-Tesla Elon Musk hat etwas für die Seele der Stauliebhaber getan, mit dem Modell 3 auch für die breite Masse.

Fazit

Menschen sind unterwegs, warum nur? Die Planung von Städten und die Einhaltung des Umweltschutzes müssen ohne Eitelkeiten neu besprochen werden. Für das grosse Ganze, sollte es tatsächlich ein vereintes Europa schaffen, geht es nur mit den Menschen, den Tieren und der Umwelt. Solange Kommunen und Gemeinden mauern und bockig auf ihr Recht bestehen, können mehrere 100 Millionen ruhig weiter schlafen.

Wir verschlafen eine lebenswerte Zukunft für uns, die Tiere und die nachfolgenden Generationen. Umweltschutz geht nur ohne Eitelkeiten. Was ist eure Meinung?

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